Tafel XVI · goldglänzende Oberflächenfischerin
Rotfeder
Scardinius erythrophthalmus

Sofort erkennen
- Oberständiges Maul — der Unterkiefer steht nach oben vor, eine Oberflächenfischerin. Das sicherste Merkmal gegenüber dem Rotauge.
- Feurige Flossen — Bauch-, After- und Schwanzflosse leuchten orange bis blutrot.
- Rückenflosse nach hinten versetzt — sie beginnt klar hinter dem Ansatz der Bauchflossen.
- Gekielte Bauchkante, goldenes Auge — eine scharf gekielte Bauchkante und eine gelb-goldene Iris.
Die Rotfeder ist ein geselliger, goldener Schwarmfisch der warmen, ruhigen, krautigen Zonen. Wo ein Fluss langsamer wird, sucht sie die flachen, pflanzenreichen Ränder: Buchten und Altarme, Stauhaltungen, die Kanten von Schilf und Seerosen. In der Fränkischen Saale trifft man sie eher in den stillen, warmen Ecken als in der freien Strömung.
Sie lebt mit dem Blick nach oben. Das oberständige Maul ist für die Oberfläche gemacht und pflückt Insekten, Samen und weiches Grün aus dem Wasserfilm und dem Kraut knapp darunter.
- oberständiges Maul
- Rückenflosse hinter den Bauchflossen
- goldenes Auge, gekielter Bauch
- gerades, endständiges Maul
- Rückenflosse über den Bauchflossen
- rotes Auge, runder Bauch
Faustregel: Ein Maul, das nach oben zeigt, bedeutet Rotfeder.
Das Maul, das nach oben schaut
Fast jeder andere Fisch hier liest den Grund oder das Freiwasser. Die Rotfeder liest die Decke. Ihr Kiefer ist nach oben gerichtet, ihre ganze Welt ist der helle Film, wo Wasser auf Luft trifft, dort, wo ein gefallenes Insekt treibt und das weiche Kraut nach dem Licht greift.
Was die Rotfeder (hier) besonders macht
Wo die beiden rotflossigen Doppelgänger an Saale und Main nebeneinander gezählt werden, ist die Rotfeder die deutlich seltenere: eine Handvoll neben Hunderten Rotaugen. Eine zu fangen ist ein kleines, goldenes Glück.
Weil sie sich auf krautige Flachwasserzonen stützt, hilft die Region nach: In einem einzigen Jahr wurden rund 38 Kilogramm junge Rotfedern in Schondra und Fränkische Saale gesetzt, damit der goldene Fisch heimisch bleibt.
Eine sorgfältige Bestandsaufnahme auf nur einem Flusskilometer fand siebzehn Fischarten dicht beieinander, und die Rotfeder war dabei, ein Beleg dafür, wie vielfältig und lebendig dieser Abschnitt der Saale noch ist.
In den heimischen Plänen für den Fluss steht die Rotfeder unter den Arten, die es zu fördern lohnt, gemeinsam mit Äsche und Nase, ein bescheidener kleiner Schwarmfisch, den die Region bewusst behalten möchte.
Ein Fisch der schwindenden Flachzonen
Deutschlandweit ist die Rotfeder kein seltener Fisch, hier aber die knappere der beiden Doppelgängerinnen, und ihr Wohl hängt an etwas, das still verschwindet: warmes, flaches, krautiges Wasser. Begradigte, gestaute und vertiefte Flüsse lassen ihr weniger solcher Buchten, und auch natürliche Fressfeinde wie der Hecht und Vögel wie Kormoran und Graureiher fordern ihren Anteil, als einer von mehreren Gründen. Deshalb zählt die Region sie zu den Fischen, die sie bewusst fördert.
Biologische und rechtliche Angaben sind ein Recherche-Entwurf; verbindlich sind die aktuelle Verordnung und dein Erlaubnisschein. Recht & Regeln.
In der Küche
Zartes, mildes Fleisch, aber voller feiner Gräten. Der alte Weg ist, sie ein paar Tage sauer einzulegen, bis die Gräten weich werden, oder sie zu Fischfrikadellen zu verarbeiten; eingeschnitten und ausgebacken gibt sie auch einen ordentlichen Backfisch.
So beangelt man sie: leichtes Posengerät über den krautigen Flachzonen, feine Schnur und kleiner Haken (14–18) mit Made, Mais oder Brot, knapp unter der Oberfläche oder im Mittelwasser für den nach oben schauenden Fisch. Etwas sparsames Anfüttern hält den Schwarm am Platz, ein idealer Fisch für Einsteiger.
Häufige Fragen zur Rotfeder
Rotfeder oder Rotauge, wie unterscheide ich sie?
Zuerst das Maul: Bei der Rotfeder zeigt es deutlich nach oben, beim Rotauge ist es gerade und endständig. Dann die Rückenflosse, die bei der Rotfeder klar hinter den Bauchflossen ansetzt, beim Rotauge genau darüber. Kommen eine scharf gekielte Bauchkante und ein goldgelbes Auge dazu, ist es eine Rotfeder; eine runde Bauchkante und ein rotes Auge bedeuten Rotauge.
Warum heißt sie Rotfeder?
Wegen ihrer Flossen: Bauch-, After- und Schwanzflosse leuchten kräftig orange bis blutrot, kräftiger als beim Rotauge, und setzen sich schön von den messing-goldenen Flanken ab. Das alte Wort „Feder“ meinte schlicht eine Flosse.
Warum zeigt ihr Maul nach oben?
Die Rotfeder ist eine Oberflächenfischerin. Mit dem oberständigen Maul pflückt sie Insekten, Samen und weiche Pflanzen direkt aus dem Wasserfilm und dem Kraut knapp darunter, deshalb trifft man sie in warmen, flachen, pflanzenreichen Buchten.
Ist die Rotfeder in der Fränkischen Saale selten?
Sie lebt hier, ist aber die seltenere der beiden rotflossigen Doppelgänger; das Rotauge taucht deutlich häufiger auf. Weil sie auf krautige Flachwasserzonen angewiesen ist, hilft die Region nach und zählt sie zu den Fischen, die mit sorgsamer Hege und Besatz gestützt werden.
Kann man Rotfedern essen?
Man kann, das Fleisch ist zart und mild, aber sehr grätenreich. Traditionell legt man sie ein paar Tage sauer in Essigsud ein, bis die feinen Gräten weich werden, oder verarbeitet sie zu Fischfrikadellen; eingeschnitten und ausgebacken gibt sie auch einen guten Backfisch.
Hat die Rotfeder eine Schonzeit?
Nach bayerischem Recht hat sie weder eine Schonzeit noch ein Mindestmaß. Ein einzelnes Gewässer kann aber strengere eigene Regeln festlegen, deshalb haben dein Erlaubnisschein und die Gewässerordnung immer das letzte Wort.
