Pegelstand

Live-Wert am Pegel Wolfsmünster, die Hochwasser-Meldestufen erklärt, und das Jahrhunderthochwasser 2003 in Bildern.

Aktuell

Der Fluss gerade jetzt

160cm Wasserstand
8,71m³/s Abfluss
kein Hochwasser Meldestufe

Stand: 02.07.2026, 14:00 · Pegel Wolfsmünster (Nr. 24409003)

Pegel Wolfsmünster · Aktualisierung ca. alle 15 Min.
Was die Zahlen bedeuten

Den Fluss lesen

Der mittlere Abfluss am Pegel Wolfsmünster liegt bei rund 16 m³/s. Deutlich höhere, trübe Wasserstände erschweren das Angeln und können gefährlich sein; klares Wasser um oder unter dem Mittelwert ist meist angenehm. Der Pegel entwässert ein Einzugsgebiet von rund 2.126 km² und liegt bei Fluss-km 6,9, kurz vor der Mündung in den Main.

Die Pegellatte zeigt diese Schwellen als farbige Zonen, und ganz oben die Marke des Jahrhunderthochwassers 2003.

Meldestufen

  • Meldestufe 1 · ab 330 cm Erste Ausuferungen und kleinere Überflutungen.
  • Meldestufe 2 · ab 370 cm Einzelne überflutete land- und forstwirtschaftliche Flächen, vereinzelte Verkehrsbehinderungen.
  • Meldestufe 3 · ab 410 cm Überflutete bebaute Gebiete und überörtliche Straßen.
  • Meldestufe 4 · ab 500 cm Großflächige Überflutungen mit der Gefahr großer Schäden.

Amtliche Pegelseite →

Hochwassermarken vor Ort

Was ab welchem Pegelstand überflutet wird

  • 370cm
    Gräfendorf Ortsstraßen und Ortsdurchfahrt überflutet. = Meldestufe 2
  • 380cm
    Staatsstraße bei Wolfsmünster Fahrbahn überflutet. über Meldestufe 2
  • 460cm
    Gemünden Die Saaleinsel wird überflutet. über Meldestufe 3
  • 600cm
    Staatsstraße 2302 Zwischen Schönau und Gemünden teilweise überflutet. über Meldestufe 4

Örtliche Hochwassermarken am Pegel Wolfsmünster · Quelle: HND Bayern.

Die Messstation

Die Messstation Wolfsmünster im Überblick

Lage

Gewässer
Fränkische Saale · Fluss-km 6,90
Gemeinde
Gräfendorf
Landkreis
Main-Spessart
Einzugsgebiet
2.125,70 km²
Pegelnullpunkt
155,35 m NHN (DHHN2016)
Koordinaten
50,0875° N · 9,7353° O

Betrieb & Kontakt

Messstellen-Nr.
24409003
Datenfernübertragung
ja
Meldestufen
330 · 370 · 410 · 500 cm
Telefonansage
01804-370037-640 (0,20 €/Anruf, dt. Festnetz)
Jahrhunderthochwasser 2003

Als die Saale über die Ufer trat

Am 3. Januar 2003 erreichte die Fränkische Saale am Pegel Wolfsmünster 650 cm, den höchsten je gemessenen Stand, weit über Meldestufe 4 (500 cm). Doch die Zahl erzählt nur die halbe Geschichte.

In den ersten Januartagen 2003 ließ anhaltender Winterregen die Fränkische Saale rasch und steil ansteigen, typisch für ihre Hochwasser im Winterhalbjahr, deren Wellen eine ausgeprägte Spitze haben. Gräfendorf war die am schlimmsten betroffene Gemeinde im Landkreis; nur wenige Zentimeter bewahrten den Ortskern vor dem Schlimmsten. Das Folgende ist vollständig aus der zeitgenössischen Berichterstattung der Main-Post (2000-2011) rekonstruiert: die Chronik, die Schäden, die Schutzmaßnahmen - und die Worte des Mannes, der mittendrin stand, des langjährigen Bürgermeisters Adolf Lutz.

Pegelzahlen (650 cm, 440 m³/s, Ranglisten): amtliche Messungen des HND Bayern.

Chronik, Schäden, Maßnahmen und Zitate: in der zeitgenössischen Presse belegt (Quellen am Ende).

Die höchsten Hochwasser im Messzeitraum

Wasserstand

5 höchste · 1973-2023

  1. 650 cm 03.01.2003
  2. 614 cm 14.01.2011
  3. 582 cm 24.01.1995
  4. 576 cm 08.02.1984
  5. 572 cm 06.01.1982

Abfluss

5 höchste · 1931-2021

  1. 440 m³/s 03.01.2003
  2. 354 m³/s 14.01.2011
  3. 351 m³/s 21.03.1940
  4. 325 m³/s 23.02.1970
  5. 317 m³/s 06.01.1982

2003 führt beide Listen, 440 m³/s sind rund das 27-Fache des Mittelwerts. Amtliche Messreihe des HND Bayern, Pegel Wolfsmünster.

Wie es sich entwickelte

Von bekannter Gefahr zum hochwassersicheren Tal

Die Gefahr war bekannt · 2000-2002
  1. 2000

    Streit um die „große Lösung“

    Nach der Sperrung der Wolfsmünsterer Saalebrücke fordert Bürgermeister Lutz eine hochwasserfreie Trasse statt Flickwerk; die Bürgerinitiative „Igus“ macht Druck.

  2. 2001

    Die Saale bekommt ihren Mäander zurück

    Bei Gräfendorf wird ein für die Flößerei abgeschnittener Saale-Mäander wieder geöffnet - rund 20.000 m³ Aushub, 340.000 Mark - auch als Rückhalteraum.

  3. 2002

    Vier Mal die Fähre bergen

    Allein 2002 muss die Feuerwehr die Roßmühle-Fähre viermal aus der Strömung holen; um die hochwasserfreie Zufahrt wird weiter gerungen.

Das Jahrhunderthochwasser · Januar 2003
  1. 2.-3. Januar

    Erst die Schondra, dann die Saale

    Anhaltender Regen lässt erst die Schondra steigen (sie floss „fast in die Kirche“), dann die Saale, weit stärker als erwartet.

  2. 3./4. Januar

    Der Scheitel - Gräfendorf am Limit

    Gräfendorf ist die am schlimmsten betroffene Gemeinde im Landkreis; nur „wenige Zentimeter“ bewahren den Ort vor dem Schlimmsten. Amtlicher Scheitel: 650 cm (HND).

  3. 6. Januar

    Vorsichtige Entwarnung

    Die Pegel an Main, Sinn und Saale fallen; Gemünden kommt „mit einem blauen Auge“ davon.

  4. 9. Januar

    Bittbrief an den Minister

    Lutz schreibt an Umweltminister Schnappauf: rund 1,1 Mio. € Schaden allein in Gräfendorf, mit der Bitte um Gleichstellung und Hilfe.

  5. 29.-31. Januar

    Konsequenzen im Gemeinderat

    Der Gemeinderat beschließt Krisenstab, einen Katalog „Maßnahmen nach Pegelstand“, Boot und Sandsäcke; die staatliche Finanzhilfe hat hohe Hürden.

Wiederaufbau & Schutz · 2003-2005
  1. März 2003

    Erste Thulba-Saale-Konferenz

    16 Bürgermeister und Naturschutzverbände unterzeichnen eine Resolution für den künftigen Hochwasserschutz an Saale und Thulba.

  2. Januar 2004

    Vierstufiger Alarmplan

    Die Feuerwehr Gräfendorf stellt einen Hochwasseralarmplan nach dem Pegel Bad Kissingen vor und beantragt einen eigenen Schondra-Pegel.

  3. Februar 2005

    Zweite Thulba-Saale-Konferenz

    Das Wasserwirtschaftsamt stellt Dammbau-Prioritäten, Rückhaltebecken und einen Klimawandel-Aufschlag vor.

  4. Mai 2005

    Hilferuf an Stoiber

    Lutz wendet sich an Ministerpräsident Stoiber: die fast jährlich überflutete Ortsdurchfahrt sei „die schlechteste Staatsstraße in Bayern“, belegt mit acht Schadensfotos.

  5. September 2005

    Endlich trocken ins Saaletal

    Die hochwasserfreie Zufahrtsstraße bei Wolfsmünster wird gebaut, sicher bis zu einem 80-jährlichen Hochwasser. Ein „Jahrzehnte alter Wunsch“ erfüllt sich.

Was das Wasser anrichtete

Schäden im ganzen Tal

Personen kamen nicht zu Schaden, die Rettung der Tiere hatte Vorrang. Der Sachschaden aber ging in die Millionen; am härtesten traf es Gräfendorf mit rund 1,1 Mio. Euro.

  • Gräfendorf Der gesamte Ortskern stand unter Wasser; zusammen mit Wolfsmünster waren rund 50 Keller überflutet. rund 1,1 Mio. €
  • Weickersgrüben · Roßmühle Gaststätte und Ferienwohnungen verwüstet; die Fähre sank, der Steg wurde zerstört. rund 400.000 €
  • Wolfsmünster Der Ortsteil war „von der Welt abgeschnitten“, von außen kam niemand zu Hilfe.
  • Obersinn An der Sinnstraße stürzte die Ecke eines Wohnhauses ein; 30 bis 40 Keller liefen voll, der Sinnsteg verbog sich.
  • Hofstetten · ASV-Sportheim Ein Niveauunterschied von 1,5 m hob den Kellerboden an - es drohte, „dass sich das ganze Gebäude verzieht“.
  • Rieneck Anhaltender Regen löste am Rotenberg einen Hangrutsch von 60 bis 70 m³ aus; der Schellhof wurde eingestaut.
Die Stimme des Bürgermeisters

Adolf Lutz im Wortlaut

Achtzehn Jahre lang Bürgermeister von Gräfendorf (1990-2008), war Adolf Lutz die beständige Stimme für ein hochwassersicheres Saaletal. Seine Worte, wörtlich aus der Berichterstattung:

„Das ganze Dorf im Ortskern ist unter Wasser.“

Adolf Lutz am ersten Hochwassertag · 3. Januar 2003
  • „Sofort eine richtige Lösung machen, alles andere ist nur Flickwerk.“

    21.01.2000 · zur gesperrten Saalebrücke Wolfsmünster

  • „Wir können nicht nur von einer Ortsumgehung von Wolfsmünster sprechen, sondern vielmehr von einer hochwasserfreien Zufahrt für das gesamte Saaletal.“

    11.06.2002 · zur hochwasserfreien Zufahrt

  • „Auch der pausenlose Einsatz unserer Freiwilligen Feuerwehren und vieler Bürger konnte nicht verhindern, dass immenser Schaden entstand.“

    09.01.2003 · aus dem Bittbrief an Minister Schnappauf

  • „Dieser Abschnitt wird fast jährlich vom Hochwasser überflutet und ist die einzige Durchgangsstraße im Saaletal.“

    02.05.2005 · aus dem Hilferuf an Ministerpräsident Stoiber

  • „Der jetzige Zustand ist ein totales Provisorium und keine Lösung.“

    26.07.2005 · zur Erneuerung des Schondrastegs

  • „Das Flurbereinigungsverfahren Wolfsmünster gab die Chance, den Jahrzehnte alten Wunsch zu erfüllen.“

    23.09.2005 · zur fertigen hochwasserfreien Zufahrt

Die Antwort

Was zum Schutz unternommen wurde

Renaturierung, Dämme und Becken, bessere Vorhersage - und vor allem eine hochwasserfreie Straße. Die Maßnahmen, die die Berichterstattung festhält, mit ihrem damaligen Stand.

Renaturierung & Gewässer

Den Fluss bremsen, statt ihn nur einzudeichen.

  • Saalemäander Gräfendorf wieder geöffnet~20.000 m³ Aushub; zugleich Rückhalteraum gebaut
  • Naturnahe Flussgestaltung & BodenbearbeitungDen Abfluss schon in der Fläche bremsen gefordert
  • Fluss-Schleifen Hammelburg-UntereschenbachRückhalt im Oberlauf der Saale geplant

Technischer Schutz

Dämme, Becken und ein Rechenmodell fürs ganze Einzugsgebiet.

  • Flutgraben Burgsinn, um 30 cm erhöhtHielt 2003 stand - „ausgereizt, aber nicht übergetreten“ gebaut
  • Rückhaltebecken aus 60 geprüften StandortenRund 20 gelten als machbar geplant
  • Dammbau-Prioritäten + 15 % KlimazuschlagBad Kissingen zuerst geplant
  • Abfluss-Rechenmodell (2.765 km² Einzugsgebiet)Schutzwirkungen durchrechnen, 500.000 € vorhanden

Vorsorge, Alarm & Organisation

Früher warnen, schneller handeln, überörtlich abstimmen.

  • Vierstufiger HochwasseralarmplanNach dem Pegel Bad Kissingen (~12 h Vorlauf) vorgestellt
  • Krisenstab & „Maßnahmen nach Pegelstand“Schaltstelle im Gemeindehaus beschlossen
  • Boot, Tauchpumpe, 2.000 Sandsäcke, WathosenKommunale Vorhaltung im Bauhof beschafft
  • Eigener Schondra-Pegel beantragtDie Schondra steigt besonders schnell beantragt
  • Thulba-Saale-Konferenzen & Resolution16 Bürgermeister stimmen sich ab abgehalten

Hochwasserfreie Zufahrt & Straßenbau

Das Saaletal sollte nie wieder von der Welt abgeschnitten sein.

  • Hochwasserfreie Zufahrtsstraße WolfsmünsterSicher bis zu einem 80-jährlichen Hochwasser gebaut
  • Anhebung der Ortsdurchfahrt St 2302Bis 2 m höher, „aus dem Hochwasser raus“ geplant
  • Schondrasteg auf 50-jährliches HochwasserAnheben und an den Radweg anbinden beschlossen
  • Hilferuf an Ministerpräsident StoiberAcht Schadensfotos, „schlechteste Staatsstraße“ Appell
Quellen — zentrale Artikel der Main-Post

Diese Aufbereitung stützt sich ausschließlich auf die zeitgenössische Berichterstattung der Main-Post (2000-2011); jede Zahl und jedes Zitat ist dort belegt. Eine Auswahl:

Einheimisches Wissen

Klein-Hawaii liegt in einer Saaleschleife zwischen Wolfsmünster und Schonderfeld, im zweiten Bild rechts hinten zu sehen. Bei Hochwasser war die Halbinsel früher vollständig von der Zivilisation abgeschnitten und machte ihrem Namen alle Ehre; heute hält eine hochwassersichere Zufahrt über die Nebenstraße sie erreichbar.

Fotografien des Jahrhunderthochwassers 2003: Adolf Josef Ludwig Lutz, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Gräfendorf, in Gedenken.

Gut zu wissen

Hochwasser an der Fränkischen Saale

Ab welchem Pegelstand herrscht Hochwasser an der Fränkischen Saale bei Wolfsmünster?

Am Pegel Wolfsmünster beginnt die Hochwasser-Berichterstattung mit Meldestufe 1 bei 330 cm. Die weiteren Stufen liegen bei 370 cm (Stufe 2), 410 cm (Stufe 3) und 500 cm (Stufe 4). Unter 330 cm besteht kein Hochwasser im Sinne der Meldestufen.

Was bedeuten die vier Meldestufen?

Stufe 1: erste Ausuferungen und kleinere Überflutungen. Stufe 2: einzelne überflutete land- und forstwirtschaftliche Flächen sowie vereinzelte Verkehrsbehinderungen. Stufe 3: überflutete bebaute Gebiete und überörtliche Straßen. Stufe 4: großflächige Überflutungen mit der Gefahr großer Schäden. (Definitionen des Hochwassernachrichtendienstes Bayern.)

Wo finde ich amtliche Hochwasserwarnungen und Vorhersagen?

Amtliche Warnungen, Vorhersagen und den Pegelverlauf veröffentlicht der Hochwassernachrichtendienst Bayern (HND) unter hnd.bayern.de. Die Werte auf dieser Seite dienen der Orientierung und sind keine Hochwasserwarnung.

Was war das Jahrhunderthochwasser 2003?

Am 3. Januar 2003 erreichte die Fränkische Saale am Pegel Wolfsmünster 650 cm, der höchste Stand seit Beginn der Aufzeichnungen und damit das namensgebende Jahrhundertereignis (Meldestufe 4 liegt bei 500 cm). Auslöser waren anhaltender Winterregen und Tauwetter. Die Fotostrecke auf dieser Seite dokumentiert es mit Aufnahmen von Adolf Josef Ludwig Lutz.

Wie hoch war der höchste Abfluss am Pegel Wolfsmünster?

Der höchste gemessene Abfluss am Pegel Wolfsmünster lag bei 440 m³/s am 3. Januar 2003, etwa das 27-Fache des mittleren Abflusses von rund 16 m³/s. Es folgen 354 m³/s (2011) und 351 m³/s (1940).

Wer betreibt den Pegel Wolfsmünster?

Die Messstelle Nr. 24409003 wird vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg betrieben. Sie liegt bei Fluss-km 6,90 in der Gemeinde Gräfendorf (Landkreis Main-Spessart), mit einem Pegelnullpunkt bei 155,35 m NHN und einem Einzugsgebiet von rund 2.126 km².

Datenquelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt - Hochwassernachrichtendienst Bayern (hnd.bayern.de), lizenziert unter CC BY 4.0. Bereitstellung ohne Gewähr. Hochwasserfotos: Adolf Josef Ludwig Lutz (CC BY-SA 4.0).