Woran sich der Fluss erinnert

Jahrhundertelang nährte die Saale die Dörfer zwischen Weickersgrüben und Gemünden: Fischer in flachen Nachen, Mühlen an jedem Wehr, Flöße aus Holz, eine Fähre, die an der Roßmühle bis heute übersetzt. Viel davon steht im Fluss selbst geschrieben, auch der große Bogen, für die Flößerei begradigt und ein Menschenleben später wieder geöffnet.

Tiefes Wasser, tiefe Zeit

Mehr als tausend Jahre am Fluss

Ein Fluss misst die Zeit anders. Hier die Marken, die diese Strecke bis heute prägen - von der ersten Urkunde am Ufer bis zu dem Tag, an dem die Saale ihre alten Bögen zurückbekam.

  1. 802

    Die erste Urkunde

    Wolfsmünster wird erstmals urkundlich genannt - als „Baugolfszell“, eine Zelle des Fuldaer Abtes Baugulf. Aus Baugolfszell wird über die Jahrhunderte Wolfsmünster.

  2. 1243

    Die Dreiflüssestadt

    Gemünden, wo Sinn, Saale und Main zusammenkommen, wird erstmals urkundlich genannt. Die fischreichen Flussauen lockten schon seit der Steinzeit Siedler an.

  3. 1567

    Die Fischerzunft

    Die Fischerzunft Gemünden taucht in den Akten auf, bis heute eine lebendige Einrichtung, mit Jahrtag im Januar und Fischerstechen.

  4. 1882

    Forellen in der Seewiese

    Friedrich Zenk gründet gegenüber Schonderfeld das Fischgut Seewiese, nach Überlieferung die älteste Forellenzucht Deutschlands. Um 1892 verschickt es über einen eigenen Bahnhalt Millionen Eier.

  5. um 1920

    Begradigt für die Flöße

    Um die Flößerei zu erleichtern, wird die Saale bei Gräfendorf begradigt und ihr großer Mäander verfüllt. Der Fluss läuft schneller, verliert aber seine ruhigen Laichbögen.

  6. 2001

    Der Bogen kehrt zurück

    Rund achtzig Jahre später wird bei Gräfendorf ein 500 Meter langer Mäander wieder geöffnet - neuer Laichraum und Hochwasserrückhalt, der Fluss findet zu seiner alten Form zurück.

  7. heute

    Gehegt, befischt, besucht

    Zunft, Vereine und die Hegefischerei pflegen das Wasser; Angler und Paddler kommen ins Tal. Die alten Gewerbe sind vergangen - die Sorge um den Fluss nicht.

Leben auf dem Wasser

Als der Fischfang die Stadt ernährte

Um 1830 zählte Gemünden etwa 28 Fischer und drei Schiffsbauer. Sie befuhren den Fluss vom flachen „Schelch“ aus, versorgten geflochtene Reusen auf Aal, Barbe und Rotauge und brachten Holz, Felle und Wein flussab.

Ihre bekannteste Gestalt ist Johann Edmund Roth, „Dapser Hannes“ (1841-1924), der die Saale mehrmals wöchentlich befuhr, um nach seinen Reusen zu sehen, und in Schönau einkehrte. Beim großen Hochwasser 1909, als das Wasser bis an die Kirchenstufen stand, trugen die Fischer die Menschen gegen Trinkgeld durch die Gassen.

Das alte Gemündener Rathaus, eine Ansicht aus dem 18. Jahrhundert
Das alte Gemünden, 18. Jh.

Altes Gemündener Rathaus, 18. Jahrhundert · gemeinfrei (Wikipedia)

Eine der ältesten Forellenzuchten

Eine Brutanstalt im Saaletal

Gegenüber Schonderfeld liegt das Fischgut Seewiese, das als eine der ältesten, wenn nicht die älteste, Forellenzucht Deutschlands gilt. 1882 kaufte Friedrich Zenk für 40 Mark das Fischrecht am Fischbach; um 1892 verschickte das Gut über einen eigenen Bahnhalt Millionen Eier, und bis heute ist es in Betrieb, mit 28 Naturteichen, gespeist von der Ochsenquelle.

Die ganze Geschichte des Fischguts

Das Saaletal bei Schonderfeld, gegenüber dem Fischgut Seewiese
Gegenüber Schonderfeld
Mühlen, Fähre & Brücken

Wo der Fluss gequert und genutzt wurde

Jedes Wehr trieb einst eine Mühle: die Roßmühle bei Weickersgrüben - heute ein Freizeitort, ihr Saale-Wehr besteht weiter - die Seemühle, eine alte Papiermühle, die Lohmühle. An der Roßmühle verbindet seit über vierzig Jahren eine schwimmende Fährbrücke die Ufer; sie ist so hochwasseranfällig, dass die Feuerwehr sie ab 2,85 Meter aus der Strömung nehmen muss, und sank im Hochwasser 2003. Ein fester Ersatz kostete rund eine Million Euro.

Die Brücken zeigen ihr Alter: der Sandsteinbogen bei Wolfsmünster, ein beliebter Standplatz für Fliegenfischer, 2010/11 um eine Fußgängerbrücke ergänzt; die rund 200 Jahre alte Saalebrücke in Gemünden mit der Nixe „Gemünda“; und bei Schonderfeld ein Klettersteig über einen Pfeiler einer nie vollendeten Autobahnbrücke.

Die Roßmühle an der Fränkischen Saale: eine Schwimmbrücke quert den Fluss, im Vordergrund ein Wehr mit Fischtreppe
Roßmühle: Schwimmbrücke & Wehr

Foto: presse03 · CC BY-SA 3.0

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Vereine & Feste Die Hege