Wer die Saale hegt
Eine Angelkarte ist nur das sichtbare Ende von etwas Älterem und Stillerem: einer Gemeinschaft, der die Fischrechte an diesem Fluss gehören und die ihm etwas zurückgibt. Diese Gemeinschaft sind wir. Hier erzählen wir, wie wir das Wasser der unteren Saale hegen, und was „Hege“ wirklich heißt.
Ein Fluss, zwei Hüter
Die untere Saale wird nicht von einer Stelle betreut, sondern von zweien, die sich bei Schönau treffen. Oberhalb liegt unsere eigene lange Strecke als Hegefischereigenossenschaft; unterhalb, bis zur Mündung bei Gemünden, hält die jahrhundertealte Fischerzunft Gemünden das Recht.
- Weickersgrüben
- Roßmühle
- Michelau
- Gräfendorf
- Schonderfeld
- Wolfsmünster
- Schönau
- Gemünden
Was eine Hegefischereigenossenschaft ist
Das Wort ist lang, und die Sache ist urdeutsch. Eine Hegefischereigenossenschaft ist ein Zusammenschluss unter öffentlichem Recht, der die Fischrechte eines Gewässerabschnitts bündelt. Wir sind eine solche Genossenschaft, und bei uns sind die Mitglieder nicht die Angler, sondern die Eigentümer von Ufern und Flussbett oder deren Pächter. Gemeinsam stehen wir vor allem für eines gerade: für einen gesunden Fluss.
„Hege“ ist das alte Wort für diese Fürsorgepflicht: dem Wasser zurückzugeben, was ihm die Fischerei nimmt. In der Praxis heißt das für uns, heimische Fische zu besetzen, den Fluss durchgängig zu halten, Laichplätze zu schützen - und für den Fluss zu sprechen, wenn Behörden über seine Zukunft entscheiden. Wie alt die Tradition ist, zeigen unsere Nachbarn: Mehrere Genossenschaften im Saale-System sind heute hundert Jahre alt.
Unsere Genossenschaft in Zahlen
- Rechtsform
- Körperschaft öffentlichen Rechts
- Strecke
- rund 17,5 km
- Stauabschnitte
- drei, durch Wehre
- Mitglieder
- Eigentümer & Pächter der Gewässer
- Partnerverein
- ASC Forelle Gräfendorf
- Erbrütung
- Fischgut Seewiese
- Versammlungsort
- Wolfsmünster
- Unterhalb Schönau
- Fischerzunft Gemünden (1567)
Den Fluss pflegen, ganz praktisch
Hegen & besetzen
Wir besetzen heimische Fische nach amtlichem Plan, abgestimmt mit der Fischereifachberatung des Bezirks Unterfranken.
- Besatz nach amtlichem Plan
- Schwerpunkt: Wiederansiedlung der Äsche
- Heimische Bachforelle, Nase & Aal
Raum & Struktur
Ein begradigter Fluss ist ein ärmerer. Wir geben der Saale ihre Bögen und ihren Kies zurück.
- Alte Saale wieder geöffnet
- Drei Buhnenfelder
- Laichschongebiet ausweisen
Recht & Vertretung
Das Fischkataster in Ordnung halten, und für den Fluss bei den Behörden eintreten.
- Fischkataster pflegen
- Bewirtschaftungsplan fortschreiben
- Stimme gegenüber Behörden
Wie sich die Saale erneuert hat
Eine stille Wende über zwei Jahrzehnte, vom verfüllten Flussbogen zum durchgängigen, planvoll betreuten Fluss.
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2001
Die „Alte Saale“ wird befreit
Ein in alter Flurbereinigung abgetrennter Flussbogen wird auf rund 500 Metern wieder geöffnet, neue Kinderstube für Jungfische.
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2002
Ein Plan für den Fluss
Die Genossenschaft gibt einen ökologischen Bewirtschaftungsplan in Auftrag und bringt das Fischkataster wieder in Ordnung.
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2003
Ökologischer Bewirtschaftungsplan
Der Plan wird gemeinsam mit dem EU-geförderten Gewässerentwicklungsplan vorgestellt, Leitlinie der weiteren Arbeit.
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2004
Das Wehr wird durchgängig
Eine Fischtreppe mit Umgehungsgerinne am Gräfendorfer Wehr lässt Fische wieder aus dem Main aufsteigen.
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2007
Die Äsche kehrt zurück - und eine neue Hand am Ruder
Die ersten nachgezüchteten Äschen kehren in die Saale zurück. In Wolfsmünster wird Sabine Töpfer-Gebert gewählt, die erste Frau an der Spitze einer unterfränkischen Hegefischereigenossenschaft, und löst den langjährigen Vorsitzenden Kurt Dietl ab.
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Bis heute
Hege, Jahr für Jahr
Besatz nach Plan, durchgängige Wehre, beobachtete Laichplätze - die stille Arbeit geht weiter.
Die Rückkehr der Äsche
Rund um Wolfsmünster war die Saale einst ein berühmtes Äschengewässer, das Fliegenfischer von weit her anlockte. Dann brach der Bestand über wenige harte Winter fast zusammen - ein Fisch, der das sauberste, lebendigste Wasser braucht, verschwand beinahe aus der unteren Saale.
Also bauen wir ihn langsam und regional wieder auf: Die Elterntiere stammen aus der Schondra, dem eigenen Saale-Zufluss, damit der Stamm genetisch heimisch bleibt; ihr Laich wird im Fischgut Seewiese, einer der ältesten noch betriebenen Forellenzuchten Deutschlands, erbrütet und in Brutboxen unmittelbar im Heimatwasser ausgebrütet, ehe die jungen Äschen in die Saale kommen. Hand in Hand mit dem ASC Forelle Gräfendorf und der Fischereifachberatung Unterfranken.
2007 zahlte sich die Mühe aus: 4.444 junge Äschen kamen bei Schonderfeld in die Saale, 2010 filmte sogar das Bayerische Fernsehen einen Besatz für die „Frankenschau“. „Fische haben keine Lobby“, sagte der langjährige Vorsitzende Kurt Dietl oft. Genau gegen diesen Satz arbeiten wir.

Zwei Papiere - und ein paar gute Gewohnheiten
Wer hier angeln will, braucht zweierlei: den staatlichen Fischereischein und einen Erlaubnisschein für die Strecke, die du befischen möchtest. Der Erlaubnisschein ist dein Anteil an der Pflege des Wassers, seine Gebühr fließt zurück in Besatz und Lebensraum.
Schonzeiten und Schonmaße schützen die Fische beim Laichen. Die Tabelle zeigt einige, die an diesem Wasser zählen; die vollständige, verbindliche Liste steht auf der Seite Recht & Regeln.
| Regel | An diesem Wasser |
|---|---|
| Fischereischein + Erlaubnisschein | beides Pflicht |
| Schonmaß Forelle | 26 cm |
| Nachtangeln | im Zunftgebiet Gemünden nicht erlaubt |
| Bezirksfischereiverordnung | neu seit 2026 |
Auszug. Die genauen Regeln können je Strecke abweichen. Verbindlich ist die Seite Recht & Regeln.
Werde Teil der Pflege
Jeder Erlaubnisschein hilft der Saale: Er zahlt für Besatz, für Laichplätze, für einen durchgängigen Fluss. Such dir deine Strecke, und angle an einem Wasser, das wir pflegen.
