Tafel I · nachtaktiver Wanderfisch

Aal

Anguilla anguilla

Schonzeit 1. Oktober – 31. Dezember
Schonmaß
0 30 60 90 120
ab 50 cm
Historische Illustration: Aal
Illustration: Marcus Elieser Bloch, „Ichtyologie … des poissons“ (1785-1797), gemeinfrei.

Sofort erkennen

  • Durchgehender Flossensaum — Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen Saum; keine abgesetzte Schwanzflosse. Das sicherste Merkmal.
  • Drehrunder, schlangenförmiger Körper mit fast schuppenloser, stark schleimiger Haut.
  • Zwei kleine Brustflossen, keine Bauchflossen direkt hinter dem Kopf.
  • Färbung je Stadium — gelblicher Bauch (Gelbaal) bis silbrig-weiß (Blankaal, vor der Abwanderung).
Charakter & Lebensraum

Der Aal ist ein nachtaktiver Bodenfisch mit schlangenförmigem Körper. In der Fränkischen Saale steht er an den strömungsberuhigten, strukturreichen Stellen: Steinschüttungen und Buhnen, Wurzelwerk und Totholz, ruhige Kolke hinter Hindernissen, Wehr- und Brückenbereiche. Tagsüber steckt er im Substrat, nachts geht er auf Jagd.

Seine große Besonderheit: Er laicht hier nie. Jeder Aal in der Saale wurde weit draußen im Atlantik geboren und bricht eines Tages wieder dorthin auf.

Kein Neunauge
Aal
  • echtes Kiefermaul
  • eine Kiemenspalte je Seite
  • Brustflossen vorhanden
Neunauge
  • kieferloses Saugmaul
  • sieben Kiemenöffnungen
  • keine paarigen Flossen

Alle Neunaugen sind ganzjährig geschützt — versehentliche Fänge bitte schonend zurücksetzen.

Ein Leben, eine Reise

Im Meer geboren, in der Saale groß geworden

Der Aal ist katadrom: Er wächst im Süßwasser auf und kehrt zum Laichen ins Meer zurück, nur ein einziges Mal. Als Glasaal treibt er herein, verbringt Jahre hier und zieht als Blankaal zur Sargassosee.

  1. steigt auf Glasaal Durchsichtig, fingerlang; treibt aus dem Atlantik herein und steigt die Flüsse hinauf.
  2. 6–15+ Jahre Gelbaal Die lange Fressphase in der Saale, gelblicher Bauch, tags versteckt, nachts auf Jagd.
  3. wandert ab Blankaal Silbriger Bauch, vergrößerte Augen; bricht flussab auf, zur einmaligen Laichreise.
≈ 6 000 km gegen den Golfstrom bis zur Sargassosee, wo der Aal ein einziges Mal laicht und dann stirbt. Künstlich nachgezüchtet wurde er noch nie.

Wie die Aale um die Mainstaustufen kommen: das Aal-Taxi

Der Aal & die Saale

Was den Aal (hier) besonders macht

Kaum ein Fisch gehört so zur Fränkischen Saale wie der Aal, einst der Brotfisch der Mainfischer, heute ein kostbarer Gast. Ein paar Dinge, die ihn hier besonders machen:

Nr. 1 Der häufigste Fang

Auf unserer Strecke landet der Aal öfter am Haken als fast jeder andere Fisch, in den Fanglisten steht er immer wieder ganz oben.

100 000 junge Aale eingesetzt

Weil erwachsene Aale nicht mehr aus dem Meer heraufwandern können, hilft die Region nach, zuletzt mit 100.000 jungen Aalen an einem einzigen Tag.

80 cm sogar in der kleinen Schondra

Sogar im schmalen Nebenbach der Saale, der Schondra, tauchen Aale auf, manche deutlich über 80 Zentimeter lang.

Aalfred ein Fisch mit Kultstatus

Das nahe Gemünden mag den Aal so gern, dass ein freundlicher Zeichentrick-Aal namens „Aalfred“ die Besucher über einen Erlebnispfad führt.

Aale beißen hier immer. so sagt man an der Saale

Der lebende Fisch

Mehr als eine alte Tafel

Der historische Kupferstich weiter oben zeigt den Aal, wie ihn die alten Naturforscher zeichneten. Hier ist er in echt: der drehrunde, muskulöse Körper und der Flossensaum, der einmal ganz um das Schwanzende herumläuft.

Fangmeldung 2025
78
gemeldete Aale
30 cm
kleinster Fang
85 cm
größter Fang
64 cm
Durchschnitt

Alle Fangmeldungen →

Gefährdung

Ein Fisch im steilen Sinkflug

Der Europäische Aal ist vom Aussterben bedroht: Die Bestände sind seit den 1970ern eingebrochen, er steht auf der Roten Liste und unter dem Washingtoner Artenschutz. Wanderhindernisse und Turbinen, Lebensraumverlust und die Nachfrage nach Glasaalen lasten auf ihm. Entnimm wenig oder nichts, erst der Besatz oben hält den Aal überhaupt im Fluss.

Biologische und rechtliche Angaben sind ein Recherche-Entwurf; verbindlich sind die aktuelle Verordnung und dein Erlaubnisschein. Recht & Regeln.

In der Küche

Fettreiches, grätenarmes Fleisch, klassisch geräuchert. Eine Warnung: Rohes Aalblut ist giftig, ausreichendes Garen oder Räuchern zerstört das Gift vollständig.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zum Aal

Warum kann man den Aal nicht in der Saale nachzüchten?

Weil er nur ein einziges Mal laicht, rund 6.000 Kilometer entfernt in der Sargassosee im Atlantik. Künstlich nachgezüchtet wurde der Aal bis heute nie, deshalb wird der Bestand mit jungen Besatzaalen gestützt.

Wie kommt der Aal überhaupt in die Fränkische Saale?

Früher wanderte er als winziger, durchsichtiger Glasaal aus dem Meer bis hierher. Weil ihm heute Staustufen den Weg versperren, hilft die Region mit Besatz nach, zuletzt mit 100.000 jungen Aalen an einem einzigen Tag.

Was ist das Aal-Taxi?

Ein Lkw, der abwanderungsbereite Aale vor den Mainturbinen einsammelt und um die Staustufen herum zum Rhein fährt. So schaffen jedes Jahr Tausende den ersten, gefährlichsten Teil ihrer Reise Richtung Meer.

Ist Aalblut wirklich giftig?

Roh ja, es enthält einen Stoff, der nicht in Augen, Mund oder offene Wunden gelangen sollte. Beim Garen oder Räuchern wird er vollständig zerstört, fachgerecht zubereiteter Aal ist völlig unbedenklich.

Wie unterscheide ich den Aal vom Neunauge?

Der Aal hat ein echtes Kiefermaul, eine Kiemenspalte je Seite und kleine Brustflossen. Das ähnliche Neunauge trägt ein rundes Saugmaul, sieben Kiemenöffnungen und keine Brustflossen, und ist ganzjährig geschützt, also schonend zurücksetzen.

Wie groß und wie alt wird ein Aal?

Meist wird er 60 bis 80 Zentimeter lang; einzelne Weibchen schaffen über einen Meter. Findet ein Aal keinen Weg mehr zurück ins Meer, kann er sehr alt werden, in Einzelfällen über 50 Jahre.