Tafel XV · der häufigste Fisch im Fluss
Rotauge
Rutilus rutilus

Sofort erkennen
- Das rote Auge — eine leuchtend rote Iris, oft mit rotem Fleck am oberen Rand. Das Merkmal, das dem Fisch den Namen gab.
- Gerades, endständiges Maul — vorn und gerade angesetzt, nicht nach oben gerichtet.
- Rückenflosse über der Bauchflosse — beide setzen etwa auf gleicher Höhe an.
- Abgerundete Bauchkante — kein scharfer Kiel; Flanken silbrig, untere Flossen rötlich.
Das Rotauge ist ein geselliger, silbriger Karpfenfisch und einer der anpassungsfähigsten Fische überhaupt. In der Fränkischen Saale ist es am sommerwarmen Mittel- und Unterlauf zu Hause: über härterem Grund im Strömungsschatten, hinter Buhnen, in ruhigen Buchten und Stauhaltungen. Es ist anspruchslos, verträgt auch wärmeres Wasser und ist so gut wie überall.
Als Schwarmfisch ist es selten allein und selten weit weg, was es zum verlässlichen Begleiter fast jedes Angeltags und zum dankbaren ersten Fisch für Einsteiger macht.
- rotes Auge
- gerades, endständiges Maul
- Rückenflosse über der Bauchflosse
- abgerundete Bauchkante
- gelb-goldenes Auge
- oberständiges Maul
- Rückenflosse deutlich dahinter
- scharf gekielte Bauchkante
Am sichersten ist die Bauchkante: rund bedeutet Rotauge, gekielt bedeutet Rotfeder.
Der mit Abstand häufigste Fisch
Kein Fisch prägt die Fränkische Saale so sehr wie das Rotauge. In dichten, silbrigen Schwärmen steht es über härterem Grund, hinter Buhnen und in den ruhigen Buchten, und wo man auch auswirft, ein Rotauge ist selten weit. Es ist der Alltagsfisch des Flusses, und weit mehr als das.
Denn diese Schwärme sind das Rückgrat der Nahrungskette: Hecht, Barsch und Zander leben zu einem großen Teil vom Rotauge, und auch Fischotter und fischfressende Vögel finden hier ihren Tisch gedeckt. Ein Fluss voller Rotaugen ist ein Fluss, der auch seine Räuber ernähren kann, und so trägt ein ganz gewöhnlicher Silberfisch still einen großen Teil des Gewässers auf dem Rücken.
Was das Rotauge (hier) besonders macht
In Franken fällt das Rotauge unter den freundlichen Sammelbegriff Weißfisch, den es sich mit Rotfeder, Brachse, Hasel und Döbel teilt. Es ist das schlichte Alltagswort für die silbrigen Schwärme der Saale.
Bei einer schonenden Bestandszählung in Saale und Main gingen 558 Rotaugen ins Netz und gleich wieder zurück, im Schnitt knapp zehn Zentimeter lang. Ein Beleg, wie voller junger Rotaugen das Wasser wirklich ist.
Für sehr viele Angler hier ist der allererste Fang ein handgroßes Rotauge, das vorsichtig abgehakt und zurück in den Fluss gesetzt wird. Ein kleiner Silberfisch, und eine Erinnerung fürs Leben.
Damit die Schwärme stark bleiben, setzen die Fischer der Region immer wieder Rotaugen in Saale und Main zurück, in manchen Jahren buchstäblich tonnenweise. Sorge um den gewöhnlichen Fisch ist Sorge um den ganzen Fluss.

Das rote Auge in echt
Die alte Tafel deutet es nur an, am lebenden Fisch leuchtet es erst richtig: die rote Iris im silbrigen Gesicht, über einem schlanken, kupfrig schimmernden Körper. Wer es einmal gesehen hat, erkennt ein Rotauge für immer auf den ersten Blick.
Nicht bedroht, aber kein Selbstläufer
Das Rotauge steht auf keiner Roten Liste, im Gegenteil, es ist der häufigste und anpassungsfähigste Fisch im Fluss. Trotzdem sind seine Schwärme kein Selbstläufer: Flussausbau, verbaute Ufer und der Verlust flacher, krautiger Laichzonen haben die Bestände mancherorts schrumpfen lassen. Auch der Fraßdruck durch Vögel wie den Kormoran wird genannt, wobei erfahrene Heger ihn als einen von mehreren Gründen einordnen, nicht als alleinige Ursache. Wo die Rotaugen zahlreich bleiben, geht es dem ganzen Fluss gut.
Biologische und rechtliche Angaben sind ein Recherche-Entwurf; verbindlich sind die aktuelle Verordnung und dein Erlaubnisschein. Recht & Regeln.
In der Küche
Zartes, mildes Fleisch, aber sehr grätenreich. Traditionell legt man Rotaugen einige Tage sauer ein, bis die feinen Gräten weich werden, verarbeitet sie zu Fischfrikadellen, oder schneidet sie ein und backt sie als knusprigen Backfisch aus. Wer die Schwärme lieber im Fluss lässt, tut den Raubfischen einen Gefallen.
So beangelt man es: feines Posenangeln mit kleinen Haken und Maden knapp über Grund, dazu sparsames, regelmäßiges Anfüttern, das den Schwarm am Platz hält. Am besten früh morgens und in der Dämmerung, und es beißt das ganze Jahr.
Schonzeit vor Ort: In der AVBayFiG ohne Schonzeit; die Bezirksverordnung Unterfranken nennt für den Main 1.4.–15.5. – Anwendbarkeit auf die Saale am Erlaubnisschein prüfen.
Häufige Fragen zum Rotauge
Rotauge oder Rotfeder?
Fühle die Bauchkante zwischen Bauch- und Afterflosse: abgerundet heißt Rotauge, scharf gekielt heißt Rotfeder. Dazu das Maul (beim Rotauge gerade und endständig, bei der Rotfeder nach oben gerichtet) und die Rückenflosse (beim Rotauge über der Bauchflosse, bei der Rotfeder deutlich dahinter), dann ist die Sache klar.
Warum heißt es Rotauge?
Wegen seines schönsten Merkmals: der leuchtend roten Iris, oft mit einem kleinen roten Fleck am oberen Augenrand. Es ist der Fisch, der seinen Namen buchstäblich im Gesicht trägt. Bei Jungfischen ist die Farbe blasser, für eine sichere Ansprache also Maul und Bauchkante dazunehmen.
Warum ist das Rotauge so wichtig für den Fluss?
Weil seine Schwärme das Rückgrat der Nahrungskette sind. Hecht, Barsch und Zander leben zu einem großen Teil von Rotaugen, und auch Fischotter und fischfressende Vögel finden hier ihren Tisch gedeckt. Ein Fluss voller Rotaugen ist ein Fluss, der auch seine Räuber tragen kann.
Hat das Rotauge hier eine Schonzeit?
Nach bayerischem Recht hat es weder eine Schonzeit noch ein Mindestmaß. Vor Ort können die Regeln aber strenger sein, sodass auf deiner Strecke eine Schonzeit oder eine Fangbegrenzung gelten kann. Verbindlich sind immer dein Erlaubnisschein und die Gewässerordnung.
Wie fängt man Rotaugen?
Der Klassiker ist das feine Posenangeln: kleine Haken und Maden knapp über Grund, dazu sparsames, regelmäßiges Anfüttern, das den Schwarm am Platz hält. Am besten beißt es früh morgens und in der Dämmerung. Es ist ganzjährig fangbar und der ideale Fisch für Einsteiger.
Kann man Rotaugen essen?
Ja, das Fleisch ist zart und mild, aber sehr grätenreich. Traditionell legt man Rotaugen einige Tage sauer ein, bis die feinen Gräten weich werden, oder man schneidet sie ein und backt sie als knusprigen Backfisch aus. Viele Angler setzen es aber gern zurück, damit die Schwärme stark bleiben.