Tafel VII · Leitfisch der Brachsenregion
Brasse
Abramis brama

Sofort erkennen
- Hochrückiger, flacher Körper — von der Seite hoch und breit, von vorn messerdünn. Das schnellste Merkmal überhaupt.
- Sehr lange Afterflosse mit 26 bis 31 Strahlen, weit an der Bauchseite entlang.
- Graue bis dunkle Flossen — nie rötlich. Der schnellste Weg, die Güster auszuschließen.
- Dicke Schleimschicht über großen Schuppen; ältere Tiere schimmern bronze bis golden.
Die Brasse, hier oft Brachse genannt, ist der ruhige, gesellige Bodenfisch des langsamen, tiefen Wassers und der namensgebende Leitfisch der Brachsenregion. In der Fränkischen Saale hält sie sich in den stilleren Bereichen: in den tieferen, sacht strömenden Abschnitten des Unterlaufs, im Stillwasser oberhalb der Wehre und in den krautreichen Buchten und Altarmen. Tagsüber steht sie in großen Schwärmen in der Tiefe, in der Dämmerung und nachts zieht sie zum Fressen ins Flache.
Wo die Strömung nachlässt und der Grund weich und schlammig wird, ist die Brasse zu Hause: ein Herdentier, das als Schwarm zieht, frisst und ruht.
- graue bis dunkle Flossen
- kleine Augen
- sehr lange Afterflosse
- rötliche Flossenansätze
- große Augen
- kürzere Afterflosse
Faustregel: rötliche Flossen und große Augen bedeuten Güster.
Die Staubsauger des weichen Grundes
Die Brasse trägt ein kleines Wunderwerk im Kopf: ein Maul, das sie zu einem nach unten gerichteten Rüssel vorstülpen kann. Kopfüber gestellt, pflügt ein ganzer Schwarm den weichen Grund um und siebt Zuckmückenlarven, Würmer, Schnecken und kleine Muscheln heraus. Was sie hinterlässt, verrät sie: kleine Krater im Schlamm und ein feiner Schleier aufsteigender Bläschen.
Was die Brasse (hier) besonders macht
Als ein Abschnitt der Fränkischen Saale Fisch für Fisch vermessen wurde, brachten es die Brassen im Schnitt auf stattliche 46 Zentimeter, ein Beleg, dass die ruhigen Abschnitte hier sie gut wachsen lassen.
Bei den örtlichen Angeltagen ist der hochrückige Bronzeleib immer wieder der größte Fisch des Tages, gut genährte Exemplare bringen an die zwei Kilogramm auf die Waage.
Alte Regionalnamen erzählen von ihrer Farbe: hier Brachse, andernorts Blei, nach dem bleigrauen Schimmer der Jungfische, der sich erst später zu Bronze und Gold wandelt.
Eine sorgfältige Bestandsaufnahme der Saale oberhalb des Campingplatzes zählte siebzehn Arten und fand die Brasse mittendrin, und das Ergebnis fiel besser aus, als man gehofft hatte.

Das Bronze in echt
Die alte Tafel oben zeigt die Form, hier sieht man die Farbe. Achte auf den hohen, seitlich abgeflachten Körper, die durchweg dunklen Flossen ohne jeden roten Anflug und den warmen Bronzeschimmer, den eine ältere Brasse mit den Jahren annimmt.
Weniger Brassen als früher
Die Brasse ist in Bayern gesetzlich nicht geschützt und zählte lange zu den ganz alltäglichen Fischen der Region. Trotzdem ist sie hier stiller geworden. Veränderte Nährstoffverhältnisse und klareres Wasser, das Sichträubern nützt, der Verlust weicher, krautreicher Grundlebensräume und der Fraßdruck spielen zusammen. Auch der Fraßdruck durch Vögel wie den Kormoran und durch den Fischotter wird genannt, wobei erfahrene Heger betonen, dass er einer von mehreren Gründen ist, nicht die alleinige Ursache. Mancher Verein schont inzwischen bewusst die großen Laichmuttertiere, damit sich die Schwärme erholen können.
Biologische und rechtliche Angaben sind ein Recherche-Entwurf; verbindlich sind die aktuelle Verordnung und dein Erlaubnisschein. Recht & Regeln.
In der Küche
Schmackhaft, aber grätenreich: Die Brasse ist von feinen Y-Gräten durchzogen. Darum glänzt sie als Fischfrikadelle oder geräuchert, was als echte Delikatesse gilt; große Tiere lassen sich viel leichter entgräten. In Teilen Ost- und Südeuropas wird sie höher geschätzt als oft bei uns.
So beangelt man sie: geduldiges Anfüttern auf einen Punkt, klassisch mit dem Feeder oder der Grundmontage, früh morgens und in der Dämmerung. Maden, Würmer oder Mais, wo erlaubt, und die Oberfläche im Blick behalten: eine Spur aufsteigender Bläschen verrät einen fressenden Schwarm. Kein gesetzliches Mindestmaß, aber Erlaubnisschein und örtliche Regeln gehen vor.
Häufige Fragen zur Brasse
Brasse oder Güster?
Achte auf Flossen und Augen: Die Brasse hat einheitlich graue bis dunkle Flossen und kleine Augen, dazu eine sehr lange Afterflosse. Die Güster zeigt an den Brust- und Bauchflossenansätzen einen rötlichen Schimmer, größere Augen und eine kürzere Afterflosse. Rötliche Flossen bedeuten Güster, graue bedeuten Brasse.
Warum ist die Brasse so schleimig?
Die dicke Schleimschicht ist völlig gesund. Sie schützt die Haut vor Verletzungen, Parasiten und Infektionen und lässt den Fisch durch Kraut und an Hindernissen vorbeigleiten. Fasse sie mit nassen Händen an, damit möglichst wenig davon verloren geht.
Woher kommen die vielen kleinen Bläschen?
Von einem Schwarm bei der Arbeit. Wenn Brassen mit ihrem vorstülpbaren Maul den Weichgrund durchwühlen, lösen sie im Schlamm eingeschlossenes Gas, das als feiner Schleier aus Bläschen aufsteigt. Angler lesen an diesen Bläschenspuren, wo die Fische stehen.
Hat die Brasse eine Schonzeit oder ein Schonmaß?
In Bayern gibt es für die Brasse weder eine gesetzliche Schonzeit noch ein gesetzliches Mindestmaß. Das heißt aber nicht, dass alles erlaubt ist: Erlaubnisschein und örtliche Hegeregeln können ein eigenes Mindestmaß, eine Entnahmebegrenzung oder eine Laichschonung festlegen, und die sind verbindlich. Die Grundsätze des Tierschutzes gelten immer.
Wie groß und wie alt wird eine Brasse?
Meist 30 bis 50 Zentimeter und rund ein Kilogramm; gut gewachsene Tiere erreichen an die 85 bis 90 Zentimeter und acht bis neun Kilogramm. Eine Brasse kann etwa achtzehn bis zwanzig Jahre alt werden.
Kann man die Brasse essen?
Ja, allerdings trägt sie viele feine Y-Gräten. Am besten macht sie sich als Fischfrikadelle oder geräuchert, was als Delikatesse gilt; große Tiere lassen sich viel leichter entgräten als kleine. In Teilen Ost- und Südeuropas wird sie höher geschätzt als bei uns.