Tafel V · Leitfisch der Barbenregion
Barbe
Barbus barbus

Sofort erkennen
- Vier Barteln — zwei an der Schnauzenspitze, zwei an den Mundwinkeln. Das sicherste Merkmal überhaupt.
- Unterständiges, rüsselartiges Maul mit dicken, fleischigen Lippen zum Gründeln am Boden.
- Langer, fast runder Körper — eine muskulöse Torpedoform für starke Strömung.
- Messingfarbene Flanken, rötliche untere Flossen über oliv- bis graugrünem Rücken.
Die Barbe ist der Leitfisch der Barbenregion, der lebhaften, kiesigen Strecke unterhalb der kühlen Äschenregion, und die Fränkische Saale ist ein Musterbeispiel dafür. Als grundorientierter Gruppenfisch hält sie sich dicht am Boden im schnellsten, sauerstoffreichsten Wasser: Kiesbänke, Strömungskanten, die Auskolkung hinter Steinen und die Bereiche unter Wehren und Brücken.
Tagsüber steht sie ruhig am Grund, in der Dämmerung und nachts arbeitet sie den Boden nach Insektenlarven, Schnecken, Kleinkrebsen und Würmern ab. Zum Laichen zieht sie flussauf zu sauberem, gut durchströmtem Kies, weshalb ihr offene, durchgängige Flüsse so wichtig sind.
- vier Barteln
- weiche, fleischige Lippen
- langer, runder Körper
- gar keine Barteln
- harte, scharfkantige Lippe
- schlankerer, seitlich flacher Körper
Faustregel: Barteln zählen. Vier bedeutet Barbe, zwei bedeutet Gründling, keine bedeutet Nase.
Der lebende Spürsinn des Flussbetts
Die Barbe liest den Flussboden mit Tastsinn und Geschmack. Rund um ihr tiefes, rüsselartiges Maul sitzen vier fleischige Fühler, die Barteln, voller Sinneszellen. Mit der Schnauze nach unten über dem Kies lässt sie sie über Steine und Sand streifen und findet die verborgene Larve, Schnecke oder den Wurm, lange bevor sie ihn je sieht.
Wie die Umgehungsbäche der Barbe die Laichwanderung zurückgaben
Was die Barbe (hier) besonders macht
Die Barbe wurde 2003 zum Fisch des Jahres gewählt, eine passende Ehre für den Fisch, der der Barbenregion ihren Namen gibt und für den beispielhaft die mittlere bis untere Fränkische Saale steht.
In Bayern trägt die Barbe seit jeher den freundlichen Namen Barm, ein kleines Alltagswort für einen Fisch, der immer schon zu diesen Flüssen gehört hat.
Im lebhaften Saale-Nebenfluss, der Streu, wurden Barben von bis zu siebzig Zentimetern gesichtet, und am Haken zählt eine gut gewachsene Barbe zu den kampfstärksten Fischen des Flusses.
Umgehungsbäche an der Saale bei Gräfendorf und an der Sinn bei Schaippach, einer davon 190 Meter lang, lassen Kieslaicher wie die Barbe wieder flussauf ziehen, damit die Fische zum Laichen wandern können, statt nur vom Besatz zu leben.

Die Barteln in echt
Der alte Stich weiter oben deutet sie nur an, am lebenden Fisch sieht man sie richtig: die vier fleischigen Fühler rund um das tiefe, vorstehende Maul und den langen, muskulösen, messingschimmernden Körper, mit dem die Barbe fast ohne Flossenschlag in der stärksten Strömung steht.
Ein Fisch, der sauberen Kies braucht
Die Barbe steht auf der Roten Liste. Wie Forelle und Nase stellt sie hohe Ansprüche an ihr Wasser und leidet daher unter verbauten Flüssen: Wehre und Kraftwerke versperren die Laichwanderung flussauf, und das Stauwasser darüber verschlammt den sauberen Kies, den die Barbe zum Laichen braucht. Wärmere Sommer setzen ihr zusätzlich zu. Auch der Fraßdruck durch Vögel wie den Kormoran wird genannt, fairerweise als einer von mehreren Gründen, nicht als alleinige Ursache, und die Umgehungsbäche sind genau die Art Hilfe, die dem Fisch die Erholung erlaubt.
Biologische und rechtliche Angaben sind ein Recherche-Entwurf; verbindlich sind die aktuelle Verordnung und dein Erlaubnisschein. Recht & Regeln.
Den Rogen niemals essen
Eine klare Warnung: Rogen und Milch der Barbe sind leicht giftig und stark abführend, rund um die Laichzeit können sie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen, die alte Barbencholera. Rogen und das umgebende Bauchfleisch entfernen und wegwerfen. Das übrige Fleisch ist fest, wenn auch grätenreich, und gut durchgegart völlig unbedenklich.
So beangelt man sie: Grund- oder Feedermontage an einer gut durchströmten Kiesstrecke, der Köder am Boden in der Strömung, mit kräftigem Gerät, denn die Barbe ist ein zäher, kraftvoller Kämpfer. Untermaßige Fische und Fänge in der Schonzeit schonend zurücksetzen.
Häufige Fragen zur Barbe
Woran erkenne ich die Barbe sicher?
An den Barteln: Die Barbe trägt vier davon rund um ein tiefes, rüsselartiges Maul mit dicken, fleischigen Lippen. Zwei sitzen an der Schnauzenspitze, zwei längere an den Mundwinkeln. Dazu ein langer, fast runder, muskulöser Körper, dann ist eine Verwechslung ausgeschlossen.
Barbe, Nase oder Gründling?
Es kommt auf die Barteln an. Die Nase hat gar keine und eine harte, scharfkantige Lippe; der kleine Gründling hat nur zwei. Allein die Barbe trägt vier. Junge Barben ähneln stark dem Gründling, doch schon sie haben zwei Bartelpaare.
Stimmt es, dass man den Rogen nicht essen darf?
Ja. Der Rogen des laichenden Weibchens, und auch die Milch, sind leicht giftig und wirken stark abführend. Rund um die Laichzeit gegessen können sie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen, ein altes Leiden, das man früher scherzhaft Barbencholera nannte. Rogen und das umgebende Bauchfleisch also entfernen und wegwerfen. Das übrige Fleisch ist gut durchgegart unbedenklich.
Warum hat die Barbe eine Schonzeit und ein Schonmaß?
Weil sie im Frühsommer über sauberem Kies laicht und dafür flussaufwärts wandert. Schonzeit und Mindestmaß schützen den Fisch während des Laichens und lassen ihn wenigstens einmal ablaichen, bevor er entnommen werden darf. Maßgeblich sind immer dein Erlaubnisschein und die örtlichen Regeln.
Wie fängt man Barben?
Am oder dicht über dem Grund einer gut durchströmten Kiesstrecke: Grund- oder Feedermontage mit ruhendem Köder in der Strömung, oder eine treibende Pose. Kräftiges Gerät lohnt sich, denn die Barbe ist ein berüchtigt harter, zäher Kämpfer, der stur ins Versteck zieht.
Woher kommt der Name Barbe, und was ist ein Barm?
Der Name stammt vom lateinischen barba, dem Bart, nach den vier Barteln rund um das Maul. In Bayern trägt der Fisch seit jeher den heimeligen Namen Barm.