Tafel XII · unser einziger Süßwasser-Dorsch
Rutte
Lota lota

Sofort erkennen
- Eine Kinnbartel — ein langer Tastfaden mitten am Unterkiefer. Das sicherste Merkmal überhaupt.
- Marmorierter, schlangenartiger Körper mit winzigen, eingebetteten Schuppen und sehr schleimiger Haut.
- Zwei Rückenflossen — die zweite sehr lang, dazu eine lange Afterflosse, beide bis nahe an die abgerundete Schwanzflosse.
- Breiter, flacher Kopf mit breitem, leicht unterständigem Maul.
Die Rutte, hier auch Quappe oder Aalrutte genannt, ist etwas ganz Eigenes: der einzige rein im Süßwasser lebende Verwandte der Dorsche in Mitteleuropa, also unser eigener Süßwasser-Dorsch. Sie ist ein nachtaktiver Kaltwasser-Bodenfisch, der die Sommerwärme verschläft und erst mit dem kühleren Herbst richtig auflebt. In der Fränkischen Saale steht sie grundnah an Strukturen: an Steinpackungen und Buhnen, in tiefen Gumpen und unter Wehren und Brücken, wo der Grund hart ist.
Ihr großer Auftritt kommt, wenn fast alle anderen Fische längst zur Ruhe gekommen sind: mitten im Winter, im eiskalten Wasser, geht sie auf Jagd und laicht, noch kälter, unter dem Eis.
- eine lange Kinnbartel
- dunkel marmorierte Haut
- zwei Rückenflossen
- gar keine Bartel
- einfarbig, nicht marmoriert
- ein durchgehender Flossensaum
Faustregel: eine Kinnbartel und marmorierte Haut bedeuten Rutte. Sechs Barteln hätte der Wels.
Der Fisch, der unter dem Eis laicht
Fast jeder heimische Fisch fällt im Winter in Ruhe. Die Rutte dreht diesen Rhythmus um. Sie ist ein echter Kaltwasserfisch: Im Hochsommer ruht sie fast reglos im Kühlen; erst wenn das Wasser kalt wird, erwacht sie, frisst sich satt und zieht zum Laichen los, oft unter einer Eisdecke, knapp über dem Gefrierpunkt.
- Sommer Die Sommerruhe In der Wärme ruht die Rutte fast reglos, verborgen im kühlen Tiefen, und frisst kaum.
- Herbst Erwachen in der Kälte Fällt das Wasser unter etwa zehn Grad, wird sie munter und frisst nachts intensiv, um Reserven anzulegen.
- Dez – Feb Laichen unter dem Eis In den kältesten Wochen laicht sie über Kies; ihre Eier schweben halb auf im fast gefrierenden Wasser.
Warum Wehre die Winter-Laichwanderung versperren: die Fischwanderung
Was die Rutte (hier) besonders macht
Jeder andere Dorsch lebt im Meer; die Rutte ist die einzige, die ihr ganzes Leben im Süßwasser verbringt. In der Saale ist sie ein seltener, still geschätzter Gast, das eine Flusskind einer sonst salzigen Verwandtschaft.
Meist misst die Rutte hier 30 bis 60 Zentimeter, doch in der Saale und ihrem Nebenbach, der Schondra, bei Gräfendorf wurde eine rund 70 Zentimeter lange Rutte gelandet, ein echtes Ereignis bei diesem heimlichen Fisch.
Die Rutte war Fisch des Jahres 2002, ein Aufruf, an einen scheuen Winterfisch zu denken, der überall dort leidet, wo Flüsse verbaut sind und seine Laichwanderungen abgeschnitten werden.
Wo das Wasser sauberer wurde, kehrte die Rutte zurück: Als kaltwasser- und sauerstoffliebender Fisch ist sie ein gutes Zeichen für einen gesunden Fluss, und behutsamer Besatz junger Fische hat ihr geholfen, sich in der Saale zu halten.

Die Marmorierung in echt
Die alte Tafel deutet das Muster nur an, am lebenden Fisch sieht man es richtig: die dunkle, wolkenartige Marmorierung, die die Rutte über Kies und Stein tarnt, die lange zweite Rücken- und Afterflosse und den einen weichen Tastfaden unter dem Kinn.
Ein Winterfisch unter Druck
Bundesweit ist die Rutte zurückgegangen und gilt als gefährdet. Ihre winterliche Laichwanderung führt stromauf zu kiesigen Abschnitten, und Wehre und kleine Wasserkraftwerke schneiden diese Wanderungen ab; auch wärmeres Wasser, verschlammte Laichbetten und schlechtere Wasserqualität setzen ihr zu. Der Fraßdruck durch Vögel wie Kormoran und Graureiher wird ebenfalls genannt, wobei erfahrene Heger betonen, dass er einer von mehreren Gründen ist, nicht die alleinige Ursache. Wo der Fluss sauber und kühl bleibt und seine Wege offen sind, kann sich die Rutte halten.
Biologische und rechtliche Angaben sind ein Recherche-Entwurf; verbindlich sind die aktuelle Verordnung und dein Erlaubnisschein. Recht & Regeln.
In der Küche
Festes, weißes, mageres und grätenarmes Fleisch mit feinem, leicht süßlichem Geschmack, und wie bei den Meeresvettern gilt die große, fettreiche Leber als Delikatesse. Am besten verwertet man sie ganz frisch, denn nach dem Einfrieren verliert das Fleisch rasch an Qualität. Wegen des empfindlichen Bestands entnimm nur sparsam.
So beangelt man sie: kalte Winternächte von November bis Februar, mit einfacher Grundmontage und stark riechendem Köder wie Tauwurmbündel oder Fischfetzen. Hinweis: Auch wenn staatlich keine Schonzeit gilt, kann eine örtliche Winterschonzeit die Laicher schützen, der Erlaubnisschein ist verbindlich.
Häufige Fragen zur Rutte
Was macht die Rutte so besonders?
Sie ist der einzige rein im Süßwasser lebende Vertreter der Dorschartigen in Mitteleuropa, also unser eigener kleiner Süßwasser-Dorsch. Alle anderen Dorsche, vom Schellfisch bis zum Seelachs, leben im Meer. Das, zusammen mit ihrem Winterrhythmus, macht sie zu einem echten Sonderling in der Saale.
Warum laicht die Rutte mitten im Winter?
Sie ist ein echter Kaltwasserfisch. In der Sommerwärme ruht sie fast reglos; erst wenn das Wasser abkühlt, wird sie munter, frisst sich satt und laicht in den kältesten Wochen des Jahres, etwa von Dezember bis Februar, oft unter einer Eisdecke bei knapp einem halben bis vier Grad.
Rutte, Aal oder Wels, wie unterscheide ich sie?
Die Rutte hat eine einzelne lange Kinnbartel, einen marmorierten, schlangenartigen Körper und zwei Rückenflossen. Der Aal hat gar keine Bartel und einen durchgehenden Flossensaum ums Schwanzende. Der Wels trägt sechs Barteln, zwei davon sehr lang, und wird viel größer.
Wann und wie fängt man die Rutte?
Sie ist ein Winterfisch: von November bis Februar, nach Einbruch der Dunkelheit, auf einfacher Grundmontage mit stark riechendem Köder wie einem Tauwurmbündel oder einem Fischfetzen. Je kälter, roher und ungemütlicher die Nacht, desto besser.
Warum ist die Rutte selten geworden?
Ihre winterliche Laichwanderung führt stromauf zu kiesigen Abschnitten, und Wehre und kleine Wasserkraftwerke schneiden diese Wanderungen ab. Auch wärmeres Wasser, verschlammte Laichbetten und schlechtere Wasserqualität setzen ihr zu; Fraßdruck wird ebenfalls genannt, ist aber einer von mehreren Gründen, nicht die alleinige Ursache.
Kann man die Rutte essen?
Ja, festes, weißes, mageres und grätenarmes Fleisch mit feinem, leicht süßlichem Geschmack, und ihre große, fettreiche Leber gilt als echte Delikatesse. Weil der Bestand aber empfindlich ist, entnimm nur sparsam und halte dich an die örtlichen Regeln, die sie zur Laichzeit schützen können.