Tafel X · Algenweiderin der Barbenregion

Nase

Chondrostoma nasus

Fisch des Jahres 1994 & 2020

Schonzeit 1. März – 30. April
Schonmaß
0 30 60 90 120
ab 30 cm
Historische Illustration: Nase
Illustration: Marcus Elieser Bloch, „Ichtyologie … des poissons“ (1785-1797), gemeinfrei.

Sofort erkennen

  • Die vorspringende Nase — eine fleischige Schnauze steht über dem Maul vor und gab dem Fisch den Namen. Das Erste, was auffällt.
  • Unterständiges Maul, harte Querlippe mit verhornter, scharfkantiger Unterlippe zum Schaben. Das sicherste anatomische Merkmal.
  • Tiefschwarzes Bauchfell — erst beim Ausnehmen sichtbar, dann aber nahezu eindeutig.
  • Rötliche Flossen, silbrige Flanken an einem schlanken, spindelförmigen Körper, der in der Strömung aufblinkt.
Charakter & Lebensraum

Die Nase ist ein Schwarmfisch der Barben- und Äschenregion: sauerstoffreiche, schnellfließende Abschnitte über hartem, steinig-kiesigem Grund, genau der Charakter der Fränkischen Saale unterhalb des Forellenwassers. Sie steht grundnah in der Strömung, meist in Gesellschaft von Barbe, Äsche und Döbel.

Im Herzen ist sie eine Wanderin: Im Frühjahr ziehen die Schwärme weit flussauf, um über sauberem Kies zu laichen, ein alter Rhythmus, den die Region ihr mit viel Mühe zurückgibt.

Keine Barbe
Nase
  • gar keine Barteln
  • harte, verhornte Querlippe
  • schwarzes Bauchfell
Barbe
  • vier Barteln
  • weiche, fleischige Lippen
  • helles Bauchfell

Faustregel: keine Barteln und eine harte Lippe bedeuten Nase.

Die lebende Putzkraft des Flussbetts

Hüterin des Flusskieses

Kein anderer Fisch arbeitet hier wie die Nase. Mit der harten, scharfen Lippe unter ihrer Schnauze schabt sie den Algenbelag von Stein um Stein und hält so das ganze Flussbett sauber, eine unbezahlbare Arbeit, die kaum jemand bemerkt.

Warum das zählt

Die Nase ist eine spezialisierte Weidegängerin. Ihre Nahrung ist der Aufwuchs, der lebende Film aus Algen und Kieselalgen auf Steinen und Kies, den sie mit der Hornlippe abraspelt. Wo die Nase frisst, bleiben die Steine sauber und offen.

Das ist mehr als Ordnung. Wächst der Belag ungebremst, sterben die Algen ab, und ihr Zerfall entzieht dem Wasser Sauerstoff, was allen Fischen im Abschnitt schaden kann. Indem sie den Kies frei hält, sorgt die Nase im Stillen für Laichbetten und Flussbett zugleich.

Das Blinken der hellen Flanken verrät die Nase. ein alter Blick an der Saale

Stein um Stein weidet die Nase den Algenbelag ab und hält so das ganze Flussbett sauber, eine unbezahlbare Arbeit, die kaum jemand bemerkt.
Die Nase & die Saale

Was die Nase (hier) besonders macht

Kaum ein Fisch erzählt die Geschichte der Fränkischen Saale so deutlich wie die Nase, von wimmelnder Fülle über den Beinahe-Verlust und, langsam, wieder zurück.

  1. einst Der Speier-Ritt In gewaltigen Scharen zog die Nase den Main und die Saale hinauf zu den Kiesbänken. Die Menschen schöpften sie mit Weidenkörben heraus; „Speier“ nannte man den Fisch, weil er nach dem Fang seine Nahrung ausspeit.
  2. ab 1939 Die Wege brechen ab Mit dem Ausbau des Mains und dem Stauwehr bei Gräfendorf verloren die wandernden Schwärme den Weg zum Laichkies. Der große Zug versiegte, und die Nase wurde selten.
  3. seit den 1990ern Die Rückkehr Die Nase wurde zum Leitfisch des Besatzes an der unteren Saale. Jahr für Jahr setzen die Fischer junge Nasen ein, und neue Fischtreppen bei Herschfeld, an der Neumühle und am Schaippach öffnen die alten Wege wieder.
  4. 2020 Fisch des Jahres Die Auszeichnung rückte die Nase ins Licht, stellvertretend für saubere, durchgängige, lebendige Flüsse, eine Rolle, die sie schon einmal trug, 1994.

Wie die Region die Nase zurückholt: die Hegearbeit

Der lebende Fisch

Die Nase in echt

Die alte Tafel deutet sie nur an, hier sieht man sie richtig: die fleischige Schnauze, die über dem unterständigen Maul nach vorn steht, und die silbrigen Flanken mit dem zarten roten Schimmer in den Flossen, die aufblitzen, wenn der Fisch in der Strömung dreht.

Fangmeldung 2025
2
gemeldete Nasen
52 cm
kleinster Fang
53 cm
größter Fang
53 cm
Durchschnitt

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Bedroht und schützenswert

Ein Fisch, der offene Flüsse braucht

Die Nase gilt auf der Roten Liste Bayerns als stark gefährdet. Als Wanderfisch braucht sie durchgängige Flüsse und sauberen Kies zum Laichen, und beides ist selten geworden: Wehre und Flussverbau zerschneiden die alten Laichwege, Schlamm legt sich über die Kiesbetten. Auch der Fraßdruck durch Vögel wie den Kormoran wird genannt, wobei erfahrene Heger betonen, dass er einer von mehreren Gründen ist, nicht die alleinige Ursache. Genau darum steckt die Region so viel Kraft in Besatz und Fischtreppen.

Biologische und rechtliche Angaben sind ein Recherche-Entwurf; verbindlich sind die aktuelle Verordnung und dein Erlaubnisschein. Recht & Regeln.

In der Küche

Ehrlich gesagt kein Speisefisch erster Wahl: Das Fleisch ist sehr grätenreich und eher weich und mild. Früher aß man sie als preiswerten „Wiesn-Fisch“ und verarbeitete sie zu Steckerlfisch für den Markt, heute aber ist die Nase wegen ihrer Gefährdung am besten zum Bewundern und Zurücksetzen da.

Gut zu wissen

Häufige Fragen zur Nase

Woran erkenne ich die Nase sicher?

An der fleischigen, vorspringenden Schnauze mit dem stark unterständigen Maul darunter, dessen harte, verhornte Unterlippe die Algen von den Steinen schabt. Öffnet man sie einmal, fällt das tiefschwarze Bauchfell sofort auf, ein nahezu eindeutiges Zeichen, das keine Verwechslungsart teilt.

Nase oder Barbe?

Am Maul entscheiden. Die Barbe trägt vier Barteln und weiche, fleischige Lippen; die Nase hat gar keine Barteln und eine harte, verhornte Querlippe. Beide teilen dieselben schnellen Kiesrinnen, ein zweiter Blick lohnt sich, und das schwarze Bauchfell macht es endgültig klar.

Warum nennt man die Nase „Speier“?

Weil sie nach dem Fang einen Teil ihrer Nahrung ausspeit. Ihre gewaltigen Laichzüge flussauf zu den Kiesbänken hießen früher „Speier-Ritt“, wenn die Fische in riesigen Scharen den Main und die Saale hinaufzogen.

Warum ist die Nase so selten geworden?

Sie ist ein Wanderfisch, der durchgängige Flüsse und sauberen Kies zum Laichen braucht. Wehre und Flussverbau haben ihre alten Laichwege zerschnitten, Verschlammung und fehlender Laichkies tun ihr Übriges. Auch der Fraßdruck durch Vögel wie den Kormoran wird genannt, erfahrene Heger sehen ihn aber als einen von mehreren Gründen, nicht als alleinige Ursache.

Darf ich die Nase entnehmen?

Besser nicht. Die Nase steht auf der Roten Liste Bayerns; es gilt eine Schonzeit vom 1. März bis 30. April und ein Mindestmaß, lokal wird sie noch strenger geschont. Auf dem größten Teil unserer Strecke wird sie bewundert und zurückgesetzt, verbindlich ist dein Erlaubnisschein.

Warum ist die Nase so wertvoll für den Fluss?

Beim Weiden hält sie die Steine und den Kies frei von Algen. Unkontrolliert würden absterbende Algen dem Wasser Sauerstoff entziehen, was allen Fischen schaden kann; indem sie das Flussbett sauber hält, sorgt die Nase im Stillen für die ganze Gemeinschaft.