Ein Fluss, den man kennen sollte

Wo sich die Fränkische Saale aus dem Bergland dem Main entgegenschlängelt, gräbt sie ein stilles Tal zwischen Spessart und Rhön. Hier erfährst du, was dieses Stück Fluss ausmacht – und warum es sich so gut befischen lässt.

Der Fluss

Ein Mittelgebirgsfluss mit drei Gesichtern

Die Fränkische Saale ist nicht die große Saale Mitteldeutschlands, sondern ein rechter Nebenfluss des Mains. Sie entspringt im Grabfeld bei Bad Königshofen und mündet nach rund 140 Kilometern bei Gemünden in den Main. Unsere Strecken liegen im Unterlauf, nur wenige Kilometer vor dieser Mündung, zwischen Wolfsmünster, Schonderfeld und Gräfendorf.

Auf engem Raum wechselt der Fluss mehrfach seinen Charakter. Schnelle, sauerstoffreiche Rauschen über Kies sind klassisches Forellen- und Äschenwasser, in dem sich Bachforelle, Äsche und Barbe wohlfühlen. Wo die Strömung nachlässt und sich die Saale vor dem Wehr staut, wird das Bild ruhig und tief – das Reich von Karpfen, Schleie, Brasse, Weißfisch und kapitalen Aalen.

Der Fluss in Zahlen

Gewässer
Fränkische Saale (Main-Nebenfluss)
Länge
rund 140 km
Mündung
in den Main bei Gemünden
Abschnitt
Wolfsmünster – Schonderfeld – Gräfendorf
Pegel
Wolfsmünster (Saale-km 6,9)
Mittlerer Abfluss
rund 16,6 m³/s
Höchststand
653 cm (Januar 2003)
Stein & Tal

Zwischen Buntsandstein und Wellenkalk

Das Tal liegt genau auf einer geologischen Naht. Die bewaldeten Höhen des Spessarts bestehen aus rotem Buntsandstein – er bedeckt über vier Fünftel des Gebirges und gibt der Region ihren warmen, rötlichen Baustein. Die Saale selbst hat sich in den Wellenkalk eingeschnitten, den unteren Muschelkalk, und hinterlässt Steilhänge mit Kalktrockenrasen und Wacholderheiden über dem Fluss.

Unten in der Talsohle mäandert die Saale in weiten Bögen mit Gleit- und Prallhängen. Die Aue ist überwiegend Grünland und wird fast jedes Jahr überflutet – genau das hält die Wiesen saftig und das Wasser lebendig.

Blumenwiesen entlang der Saale
Saale-Aue
Wehr, Treppe & Mäander

Wie die Saale wieder Raum bekam

Zwei Bauwerke prägen diesen Abschnitt besonders: das Gräfendorfer Wehr – und ein Mäander, der wieder zum Leben erweckt wurde.

Das Gräfendorfer Wehr

Bei Gräfendorf staut ein Wehr mit kleiner Wasserkraftanlage die Saale zu einem ruhigen, bis zu rund fünf Meter tiefen Becken – gutes Wasser für Karpfen, Schleie und Aal, während sich schwere Hechte unterhalb des Wehres halten. Ein Umgehungsgerinne mit Fischtreppe hält den Fluss durchgängig, sodass Fische aus dem Main aufsteigen und über Gräfendorf hinaus wandern können. Zur Laichzeit lassen sich in den Becken der Aufstiegsanlage viele Fische beobachten.

Die wiederbelebte „Alte Saale“

Ein alter Flussbogen war in einer früheren Flurbereinigung abgeschnitten und verfüllt worden. 2001 und 2002 öffnete ihn das Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg wieder: Auf rund 500 Metern wurde mehr als 20.000 Kubikmeter Füllmaterial entfernt, zu Kosten von etwa 130.000 Euro, sodass ein Teil der Saale wieder durch den Bogen fließt.

Entstanden sind flache, mäßig strömende Bereiche mit naturnahen, unregelmäßigen Ufern – Kinderstube für Jungfische und Refugium für Vögel, Amphibien und Insekten. Solche abgetrennten Schlingen tragen den alten Flurnamen „Alte Saale“.

Leben am Fluss

Reiher, Biber und ein Himmel voller Milane

Am Ufer stakst der Graureiher durch die Flachwasserzonen; er nimmt nur rund 350 Gramm am Tag, überwiegend kleine oder kranke Fische, und schadet einem gesunden Bestand wenig. Härter trifft es die Fische beim Kormoran, der etwa ein halbes Kilo täglich frisst und vor allem die Äsche durch den Winter bedrängt.

Der Biber, ein reiner Pflanzenfresser, arbeitet sich seit seiner Wiedereinbürgerung in Bayern ab 1966 die Saale wieder hinauf. Darüber kreisen Rotmilane – in Deutschland lebt weit über die Hälfte des Weltbestands, was sie zu einer echten Verantwortungsart macht. Über sauberem, fließendem Wasser flirrt die Gebänderte Prachtlibelle wie blaues Glas: ein lebendiges Zeichen für gute Wasserqualität.

Lokale Berichte über Äschenbesatz und die Rückkehr der Nase sind ermutigend, aber nur regional belegt.

Rotmilan über dem Saaletal
Rotmilan
Drei Dörfer, eine Geschichte

Geschichten am Ufer

Der Fluss zieht an drei kleinen Orten der Gemeinde Gräfendorf vorbei – jeder mit eigener Geschichte.

Wolfsmünster

Der älteste der Orte, zurückgeführt auf das Jahr 802. Sein Name hat nichts mit Wölfen zu tun: Er wuchs aus „Baugolfszell“, einer Zelle des Fuldaer Abtes Baugulf – aus Baugolfszell wurde Baugolfsmünster, dann Bolsmünster, schließlich Wolfsmünster. Die Kirche St. Wolfgang bewahrt einen frühgotischen Turm aus dem 13. Jahrhundert.

Schonderfeld

1311 erstmals als „Schunderfeld“ erwähnt, am linken Ufer zwischen Gräfendorf und Wolfsmünster. Vor der Gebietsreform 1978 war es mit knapp 130 Einwohnern die kleinste selbständige Gemeinde des Altlandkreises Gemünden.

Gräfendorf

Das „Dorf des Grafen“ (von mittelhochdeutsch grêve, Graf). Seit dem 1. Mai 1978 vereint es fünf Orte und liegt im Naturpark Spessart; es gilt als anerkannter Erholungsort.

Fischgut Seewiese

1882 von Friedrich Zenk gegründet und bereits 1883 in London ausgezeichnet, gilt die Forellenzucht bei Schonderfeld als die älteste noch in Betrieb befindliche Fischzucht Deutschlands.

Der einsame Brückenpfeiler

Der hohe Pfeiler zwischen Schonderfeld und Gräfendorf ist ein Überrest der nie vollendeten Reichsautobahn „Strecke 46“ aus den 1930er-Jahren – eine Brücke wurde nie darübergespannt. Heute dient er dem Alpenverein als 10,80 m hoher Kletterpfeiler aus Sandstein.

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